Als Antwort auf : Re: Klassik-Midi-Partitur geschrieben von Harald Schollmeyer on September 14, 2000 at 03:56:51:
Hallo Harald,
: Problem: in MIDI-Files wird die Abspielinformation codiert, nicht das Partiturbild.
MidiFiles koennen ein bisschen mehr als nur die Abspielinformation speichern. Zum Beispiel kann man in Meta-Events die Vorzeichen beschreiben, so dass es einem Programm moeglich wird, zwischen Fis und Ges zu unterscheiden.
Auch laesst sich eine erste und zweite Floete in verschiedenen Tracks zur unterscheidung abspeichern - die Anzahl der Kanäle mag beschraenkt sein, die Tracks sind es nicht.
Trotzdem gebe ich gern zu dass sich nicht alles (in adaequater form) speichern lässt, was man haben will, wenn man gleichzeitig akustische und grafische Darstellung verfügbar sein sollen. Z.B. man braucht beides, die physikalische Tondauer, und die symbolische Notenlaenge. Midi-Note-On Event hat nur Platz für eines.
Alternativen zu Midi? Ich hatte schon mal die Page mit den Notensatzformaten durchwühlt. Nun an der Partitur als solcher bin ich primär nicht so sehr interessiert - das Layout mit allen Plazierungen von diesem und jenem, einschliesslich des Fonts für die Überschrift, ist nicht das, was die Essenz der Musik ausmacht. Man muss seine Prioritaeten festlegen. Welche Daten müssen schnell verfuegbar sein, was kann ich vielleicht später noch "hinten" dran haengen. Man hat wenigstens drei Kategorien: AbspielInfo, Symbolische Info, Layout.
Wenn ich ein Programm schreibe, würde ich mit Midi's anfangen, die braucht man ohnehin fuer Import, Export und akustischen Output. Dann ein eigenes Datenformat benutzen - welches Programm tut das nicht. Und dann fragen welche zusaetzlichen Import/Export Möglichkeiten sinnvoll sind.
Ob es ein Datenformat gibt,dass alle meine Erfordernisse erfüllen kann, ist ohnehin zweifelhaft. Und es erfordert Arbeit bis man einen Standard versteht. Wie sparsam muss ich mit dem Verbrauch von bytes pro Event umgehen? Midi ist gemessen am heutigen Hauptspeicher zu knauserig, aber wo liegt das Mass, das für mich taugt?
: Mal angenommen, ich wollte mit Finale so etwas realisieren - das
: wäre durchaus möglich, auch so, daß alle Notensysteme beim Abspielen dargestellt werden.
: Finale kann auch in anderer Hinsicht als Werkzeug für Analyse verwendet werden, aber es ist
: natürlich nicht dafür produziert.
Folgende Frage kann ich mir nur selber beantworten: Will ich ueberhaupt glauben, dass Finale das kann? Oder ist mir doch ganz recht wenn es das nicht könnte, weil dann die Nische für irgendwas was ich vielleicht selber machen will offen bleibt.
Ich hab mir eine Demo von Sibelius angeschaut. So einfach vom Outfit her gefaellt mir das Programm, sieht sympathisch aus. Aber für das was ich will wäre es doch ungeeignet. Vielleicht sollte ich mir mal ne Finale Demo ansehen. Finale das unbedienbare Superding? Billig ist es ja auch nicht. Wahrscheinlich OK für den, der professionell Notensatz erstellt.
: Es könnte sein, daß die "Masterpiece"-Serie von Schott so etwas bietet (habe ich im Netz
: nicht gefunden).
Auch wenn es gut gemacht ist: man bleibt eben doch auf die angebotene Musik beschraenkt. Und es hat wohl unvermeidlich einen Democharacter. Ich möchte ein Programm, das dem User mehr Selbständigkeit und Initiative belässt.
: Das verstehe ich nicht ganz...im MIDI-Standard sind 16 Kanäle definiert und es gibt
: keine Möglichkeit, eine bestimmte Port-Information in einem MIDI-File abzuspeichern.
Richtig (zumindest wird Portinformation nicht standardmaessig abgelesen - speichern kann man vieles - optional, auf diese oder jene Weise- ). Und doch gibt es 32-Kanal Midi-Files. Ich weiss nicht wirklich wie es geht. Es muss wohl eine heimliche Absprache zwischen Files und Sequencer geben. Gesetzt den Fall, Sequencer füllen, falls sie Zugriff auf zwei Ports haben, die Kanäle beider Ports alternativ mit fortlaufenden Tracks auf, was - denk ich - eine vernünftige Strategie zur Auslastung der Hardware wäre, dann kann man leicht den MidiFile so organisieren, dass 32 Instrumente auf 32 Kanäle projiziert werden. Eine historisch belegbare Schmusestunde zwischen Sequencer Herstellern und File-Autoren wäre dazu also gar nicht nötig gewesen.
Und die 32-er Files, hmm, hab jetzt die URL nicht da. Ich glaub es war "Classical Midi Connections" CMC, z.B Rubrik neue Entries. Zum Teil mit email des Autors - könnte man ja einfach mal nachfragen, wie die das machen, oder die Struktur der Files studieren.
: Ich sehe keine Möglichkeit, 32 Kanäle zu verwenden und ein File herzustellen, das der
: MIDI-File-Spezifikation entspricht.
Midi-Files sind beschränkt. Aber sie sind auch schrecklich offen und undefiniert. Es gibt sequenzer specific Meta-Events. Da kann man reinschreiben was man will. Aber schreibt da irgendjemand was rein? Gibt es irgendwelche Empfehlungen, was oder wie man da was reinschreiben soll? Keine Ahnung. Man kann auch neue Chunks erfinden. Ein legitimer Midifile, der zu 99% aus Info besteht die kein real existierendes Midiprogramm lesen kann - kein Problem.
: Wie kann man sich mit Softsynths vom MIDI-Standard lösen
Was soll ich dazu sagen? Von der Hardware ist man dann zunächst mal unabhaengig. Aber wer soll dafür einen Standard herstellen? Wenn man selbst einen Synthesizer baut, hat man eben alle Freiheiten. Zur Zeit könnte man zum Beispiel Midi-Dateien über CSound abspielen (es gibt interfaces zwischen Midi und CSound). In CSound kann man wohl jedes beliebige Instrumente definieren. Allerdings ist es nicht speziell dazu konzipiert klassische Orchesterinstrumente nachzuahmen, und es funktioniert zur Zeit (unsere orchestermaessig polyphone Ausgangssituation zugrundegelegt) auch nicht in real time.
Hans Georg