Als Antwort auf : Re: Verwendungsmöglichkeiten klassischer MIDI-Files geschrieben von Harald Schollmeyer on September 12, 2000 at 17:45:57:
<<< ...Aber wie gesagt: man sollte sich vor der falschen Erwartung hüten, das
synthetische Klangergebnis hätte viel mit dem eines akustisch spielenden Ensembles zu tun.
Etwa soviel, wie ein mehr oder weniger guter Druck eines Gemäldes mit dem Original zu tun hat. Immerhin läßt auch ein Druck viele charakteristische Merkmale eines Bildes erkennen: Formen, Konturen, Strukturen, Farben, Helligkeitsabstufungen usw.
Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch der Aspekt der Vervielfältigung und die rasante Entwicklung, die die Vervielfältigungstechniken in den letzten 20 - 30 Jahren genommen haben. Wobei ich denke, daß die elektronische Multiplikation einen Dimensionssprung gegenüber den bis vor ein paar Jahren üblichen materiellen Kopiertechniken anzeigt. Ich weiß nicht, wie alt ihr seid, ich stamme noch aus einer Zeit wo schriftliche Zitate bestenfalls mit der mechanischen Schreibmaschine abgeschrieben und mit Spiritus-Matrizen ein paar Dutzend mal abgezogen werden konnten. Die Fotokopierer waren ja schon demgegenüber eine sensationelle Errungenschaft. Daß sich Texte, Bilder, Klänge und so weiter heute im Handumdrehen einscannen und bearbeiten lassen und dann in beliebiger Menge bis ins Unzählige hinein ohne Qualitätsverlust und mit lächerlich geringem Materialaufwand von jedem normalen Sterblichen farbig und in Stereo vervielfältigt werden können, ist ein Phänomen, daß sich vor 40 Jahren keiner träumen ließ. Man vergleiche das Verhältnis zwischen dem Aufwand und der Vervielfältigungspotenz eines Notenstechers zu Beethovens Zeiten mit dem einer korrekten und sorgfältigen Midipartitur. Deshalb unter anderem bin ich so angetan von diesem Digitalkram. Wenn es einen vernünftigen und durchdachten Standard besonders bei der Geräteherstellung gäbe, so bräuchte sich für jedes der Stücke, für die es Noten und Partituren gibt, nur einmal ein Mensch die Zeit zu nehmen, es als Datei zu erstellen und fortan könnte das jeder als Ausgangspunkt für seine besonderen Feinheiten und Ideen gebrauchen. Daß sich, wie an anderer Stelle erwähnt wird, die klassischen Instrumentalisten in ihrer künstlerischen Freiheit in Frage gestellt fühlen, wenn ihnen jemand ein derartiges Übungsmittel anbietet, kann ich mir gut vorstellen, aber das schert mich wenig, kann mich jedenfalls nicht daran hindern, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Ich will nichts verkaufen und niemanden von etwas überzeugen, insofern bin ich unabhängig in meinen Absichten.
Ich denke das reicht für heute. Also bis auf weiteres.
Uwe