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Re: Notenscan-Software gesucht!


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Geschrieben von Andi on November 17, 1999 at 14:55:35:

Als Antwort auf : Re: Notenscan-Software gesucht! geschrieben von Harald Schollmeyer on November 16, 1999 at 17:23:10:

Ich bin gerne bereit, meine gemachten Erfahrungen weiterzugeben. Beim Testen der beiden Programme „Smart-Score“ und „Capella-Scan“ beschränkte ich mich auf das Einlesen von verschiedenartigen Partituren und das anschliessende Erkennen sowie eine Ueberarbeitung des Notentextes direkt im jeweiligen Programm. Den weiteren Funktionsumfang habe ich nicht, bzw. konnte ich nicht testen. D. h. der Funktionsumfang von Capella-Scan dürfte wohl mit dem Scannen und Erkennen und Bearbeiten erschöpft sein, Smart-Score hingegen hat noch mit verschiedenen Midi-Funktionen aufzuwarten.

Meine Tests liefen so ab, dass ich eine Partitur über den Scanner (Flachbett) eingelesen habe. Das Bildmaterial gegebenenfalls bearbeiten musste und danach die automatische Erkennung durch das Programm ausführen liess.

Eingelesene Partituren: Vier- bis Achtstimmige Chorlieder, Barocke Klavierstücke (polyphon), Romantische Klavierstücke (Chopin, Rachmaninoff)

Der Scanvorgang

Smart-Score:

Bei Smart-Score kann man mit dem Internen Scanprogramm oder mit der „hauseigenen“ Scansoftware arbeiten. Beim mitgelieferten Programm wird automatisch der Ausschnitt ausgewählt der die entsprechenden Noten enthält. Was bei externer Software dem Benutzer überlassen wird. Bei beiden Varianten wird das Bild automatisch im schlanken tif-Format abgespeichert. Capella arbeitet mit dem rund 30 mal speicherintensiveren bmp-Format. Nach dem Scanvorgang biete Smart-Score die Möglichkeit die Erkennung zu starten oder das Bild zu bearbeiten. In einem einfachen Editor können störende Ränder und anderes bequem entfernt werden. Das Bild kann voreingestellt um 90 oder 180 Grad oder manuell stufenlos gedreht werden. Smart-Score biete im Gegensatz zu CAPELLA-SCAN die Option für mehrere Seiten nacheinander zu scannen. Diese werden in einem einzigen File abgespeichert. Beim Erkennen können dann wiederum einzelne Seiten ausgeschlossen bzw. gelöscht werden.

Capella-Scan:

Der Scan-Vorgang verläuft ähnlich. Unterschiede sind bereits oben beschrieben. Die Bild-Nachbearbeitung direkt nach dem Scanvorgang ist weniger Komfortabel. Eine Löschfunktion für störende Elemente habe ich nicht gefunden. Nur das Drehen ist vorgesehen.

Die Erkennung

Die Trefferquote bei der Erkennung ist meiner Meinung nach in etwa vergleichbar Capella-Scan erkennt auf Anhieb etwas mehr als Smart-Score. Trotzdem gibt es wesentlichere Unterschiede: Wenn Smart-Score mit einer Partitur, in diesem Fall Rachmaninoff, nicht zurecht kommt, verweigert es seine Arbeit ganz indem es abstürzt! Diese Tatsache fand ich als Pianist natürlich besonders amüsant. Konnte ich doch für dieses Verhalten ein gewisses Verständnis aufbringen. Rachmaninoff hat ja auch nicht gerade wenig Noten... Capella ist hier weniger zimperlich und beklagt sich lediglich über zu viele „Konturen“ und empfiehlt eine geringere Scan-Auflösung. Ein Erkennen ist jedoch auch hier nicht möglich. Smart-Score erkennt im Gegensatz zu CAPELLA-SCAN auch dynamische Zeichen (crescendo Pfeile) sowie Binde- und Legatobögen. SMART-SCORE macht jedoch oft Fehler bei Taktstrichen und Pausen. Sind die Taktstriche in der Vorlage nicht durch alle Systeme gezogen (Chorpartituren etc.) ist die Erkennung Glücksache. Das ist meiner Meinung nach der grösste Nachteil von SMART-SCORE. CAPELLA-SCAN arbeitet hier wesentlich genauer. Die wesentlichste Minuspunkt bei CAPELLA-SCAN: Noten die weiter als eine Terz von den Fünf Notenlinien entfernt sind werden oft nicht erkannt. Im Besonderen tritt dieses Problem bei dichten Partituren auf.

Das Nachbearbeiten

Bei Smart-Score verläuft das Nachbearbeiten wesentlich komfortabler als bei Capella-Scan. Natürlich, denn Capella-Scan ist auch nur ein Zusatzprogramm zum Capella Notensatz Programm. Will man trotzdem mit Capella-Scan einige Korrekturen direkt im Scannprogramm machen, ist das eine mühsame Klauberei. Besonders gelungen finde ich bei der Nachbearbeitung in Smart-Score die Funktion die es Ihnen erlaubt, von der Dauer her falsch erkannte Noten ohne löschen direkt in den korrekten Wert umzuwandeln. Man muss dazu nur den korrekten Wert markieren z. Bsp. punktierte Achtel, anschliessend genügt ein Klick auf die falsche Note und diese wird dann ersetzt.

Bei Capella-Scan werden die erkannten Noten direkt über das gescannte Bild mit grüner Farbei „aufprojiziert“. Das hat zur folge, dass nichterkannte Noten deutlich schwarz hervortreten. Falsch erkannte Noten sind aber durch dieses Verfahren schwieriger auszumachen, da jeweils zwei Noten (eine grüne und eine schwarze) übereinander liegen. Vor allem Punktierungen sind schlecht zu kontrollieren.

Smart-Score verwendet den geteilten Bildschirm. Im oberen Teil ist das Originalbild zu sehen, im unteren die erkannte Partitur. Ich persönlich gebe diesem System den Vorzug. Es erfordert jedoch eine etwas längere Gewöhnungszeit.

Drucken und Exportieren

Capella-Scan bietet keine Möglichkeit Partituren auszudrucken. Mittels eines Zusatzprogramms „Capella-convert“ (niedrige Extrakosten) wird die Partitur ins Midi Format konvertiert und kann anschliessend von anderen Programmen importiert werden. Wie schon vorher erwähnt arbeitet Capella-Scan eng mit Capella dem Notensatzprogramm aus dem gleichen Haus zusammen. Die erkannten Partituren werden also gleich im *.cap Format abgespeichert. Der Hersteller weist besonders darauf hin, dass Formatierungen wie Zeilenabstand, Einzüge und Klammern beim Midi-Konvert verloren gehen.

Bei Smart-Score können Partituren ausgedruckt werden. Die Qualität konnte ich nicht beurteilen, da die Demoversion dieses Funktion nicht vorsieht. Ebenso konnte ich bei keinem der beiden Programme feststellen wie gut der Midi-Export Funktioniert.

Schlussbemerkung

Ich habe mich nun einige Zeit mit den Demo-Versionen dieser beiden Programme auseinandergesetzt. Meine Tests sind in keinem Fall vollständig, repräsentativ oder unbedingt richtig.

Wie sind die Erfahrungen von versierten Anwendern der Vollversionen? Stimmen meine Vorbehalte zu den Programmen und haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie Funktioniert der Midi-Export bei Capella und Smart-Score? Wie sehen die Importierten Midi-Files in Encore aus? Stelle ich zu hohe Anforderungen an ein Noten-Scanprogramm?

Das sind Fragen, auf die ich mir von Ihnen eine Antwort erhoffe.

Herzliche Grüsse aus der Schweiz.

Andi



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